Chemikalien auf der Haut, Staub in den Poren, starke UV-Strahlung – die Haut von Handwerkern muss jeden Tag einiges aushalten. Kein Wunder, dass Hautprobleme zu den häufigsten Berufskrankheiten im Handwerk gehören. Mit einem wirksamen Hautschutzplan vermeiden Sie Hautschäden und erhalten Ihre Gesundheit und Arbeitsfähigkeit.
In diesem Artikel erfahren Sie:
- welche Hautbelastungen im Handwerk besonders häufig auftreten
- was ein Hautschutzplan umfasst und warum er verbindlich ist
- wie ein Plan in der Praxis aussieht und Ihre Haut wirksam schützt
- welche Maßnahmen Betriebe sofort umsetzen können
Welche Hautprobleme betreffen Handwerker besonders?
Durch den Kontakt mit Staub, Nässe, Chemikalien oder mechanischen Reizen ist die Haut von Handwerkern täglich vielen Belastungen ausgesetzt. Risse, Ekzeme oder allergische Reaktionen kommen häufig vor; bestehende Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte können sich verschlimmern. Dies führt zu gesundheitlichen Problemen, Arbeitsausfällen und Kosten – für Beschäftigte und Betriebe. Typische Belastungen sind:
- Mechanische Reize: Werkzeuge und raue Materialien verursachen Schürfwunden, Druckstellen oder kleine Risse.
- Chemische Belastungen: Reinigungs- und Lösungsmittel, Öle, Lacke sowie hautreizende Stoffe wie Zement oder Fliesenkleber können Allergien auslösen.
- Feuchtigkeit und Nässe: Häufiger Wasserkontakt (z. B. im Sanitärbereich und bei Reinigungsarbeiten) oder Schwitzen in undurchlässigen Handschuhen schwächt die Hautbarriere.
- UV-Strahlung: Wer viel unter freiem Himmel arbeitet, riskiert UV-Schäden bis hin zum Sonnenbrand und langfristig auch Hautkrebs.
Hautkrebs im Bauhandwerk
Menschen, die viel im Freien arbeiten, sind einer etwa zwei- bis dreifachen höheren UV-Belastung ausgesetzt als die Allgemeinbevölkerung. In der Bauwirtschaft ist weißer Hautkrebs durch UV-Strahlung deshalb die am häufigsten anerkannte Berufskrankheit.
Was ist ein Hautschutzplan und wie schützt er Ihre Gesundheit?
Ein Hautschutzplan wird zwar nicht direkt vom Gesetz verlangt, gilt aber in allen Branchen mit Hautgefährdungen als verbindlicher Bestandteil des Arbeitsschutzes. Mit einem Hautschutzplan erfüllen Arbeitgeber ihre Pflichten aus dem Arbeitsschutzgesetz und den Regeln der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).
Der Hautschutzplan legt fest, welche Hautschutzmittel wann und wie eingesetzt werden – von der vorbeugenden Schutzcreme über geeignete Reinigungsmittel bis hin zur Hautpflege nach der Arbeit. Typischerweise besteht er aus drei Bausteinen:
- Hautschutz: vor Beginn der Arbeit, um die Hautbarriere zu stärken
- Hautreinigung: während oder nach der Arbeit mit hautschonenden Produkten
- Hautpflege: im Anschluss zur Regeneration
Arbeitgeber müssen Hautbelastungen im Betrieb erkennen und beurteilen, passende Hautschutzmittel bereitstellen und deren korrekte Anwendung erklären. Beschäftigte müssen die Vorgaben einhalten und die bereitgestellten Schutzmaßnahmen nutzen. Wer das dauerhaft ignoriert, riskiert die eigene Gesundheit und im Ernstfall auch den Versicherungsschutz des Unternehmens; bei wiederholten Verstößen sind deshalb arbeitsrechtliche Schritte wie eine Abmahnung möglich. Damit der Hautschutzplan nicht in der Schublade verschwindet, sollte er gut sichtbar ausgehängt werden – etwa in der Werkstatt, an Waschplätzen oder in den Aufenthaltsräumen.
Ziel des Hautschutzplans
Ein Hautschutzplan hilft dabei, Hauterkrankungen vorzubeugen und die Gesundheit Ihrer Beschäftigten dauerhaft zu sichern. Damit erfüllen Sie die gesetzlichen Pflichten und erhalten sowohl die Arbeitsfähigkeit als auch die Produktivität der Mitarbeiter.
Hautschutzmaßnahmen im Handwerk: So funktioniert die Umsetzung
Ein Hautschutzplan wirkt nur, wenn er auch im Alltag gelebt wird. Für Handwerker heißt das: Hautschutzmittel und persönliche Schutzausrüstung gehören in jede Schicht – vom Start bis zum Feierabend.
- Vor Arbeitsbeginn:
Eine Schutzcreme stärkt Ihre Hautbarriere und erleichtert später die Reinigung. Wichtig ist, dass die Creme schnell einzieht und keinen fettigen Film hinterlässt – sonst werden die Hände rutschig, was beim Arbeiten mit Werkzeug oder Glas gefährlich sein kann. - Während der Arbeit:
Je nach Tätigkeit ist zusätzlicher Hautschutz notwendig – zum Beispiel chemikalienbeständige Handschuhe bei Kontakt mit Lösungsmitteln oder robustes Material zum Schutz vor Schnitten und Schürfungen. Bei feuchten Arbeiten sind atmungsaktive Handschuhe sinnvoll. Auch Schutzkleidung wie langärmelige Jacken oder Schürzen verhindern, dass reizende Stoffe auf Ihre Haut gelangen.
Wer viel im Freien arbeitet, sollte zusätzlich an Sonnenschutz denken: langärmelige, leichte Kleidung, Kopfbedeckung mit Nackenschutz und regelmäßig aufgetragene Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor (mindestens LSF 30) sind hier Pflicht.
- Nach der Arbeit:
Aggressive Handwaschpasten oder Lösemittel sollten Sie vermeiden, da diese Ihre Haut zusätzlich belasten. Besser sind milde, pH-neutrale Reinigungsmittel. Reichhaltige Pflegecremes geben der Haut danach Feuchtigkeit zurück und helfen ihr bei der Regeneration.
Ein gut durchdachter Hautschutzplan gibt sinnvolle Maßnahmen vor, die Ihre Haut langfristig gesund halten und das Risiko für Berufskrankheiten senken.
Worauf sollten Sie bei der Wahl der Schutzhandschuhe achten?
Da Schutzhandschuhe im Handwerk zu den wichtigsten persönlichen Schutzausrüstungen gehören, gehen wir hier ausführlicher darauf ein. Entscheidend ist, dass sie nicht einfach „irgendwo gekauft“ werden, sondern auf Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung ausgewählt werden. Für die verschiedenen mechanischen Risiken, Chemikalien/Mikroorganismen, Hitze oder Kälte gibt es feste Normen. Die Angaben finden Sie direkt auf dem Handschuh bzw. in den Herstellerinfos.
In der Praxis gibt es unterschiedliche Handschuhtypen für verschiedene Belastungen:
- Mechanische Risiken: Robuste Handschuhe schützen die Haut vor Abnutzung, Schnitten oder Stichen durch Werkzeuge, Bleche oder Glas.
- Chemikalien: Spezielle Chemikalienschutzhandschuhe verhindern den direkten Hautkontakt mit Lösungsmitteln, Klebern oder anderen Gefahrstoffen.
- Feuchtigkeit und Kälte: Flüssigkeitsdichte, atmungsaktive oder kältebeständige Handschuhe schützen vor Hautaufweichungen und Kälteschäden.
- Hitze: Thermohandschuhe schützen die Haut vor Verbrennungen bei Arbeiten mit Schweißgeräten oder heißen Oberflächen.
Achten Sie auf die Kennzeichnung: CE-Zeichen sowie Hersteller, Typ und Größe (ggf. auch ein Ablaufdatum). Chemikalienschutzhandschuhe erkennen Sie am Erlenmeyerkolben-Symbol und an angegebenen Leistungsstufen. Wenn Sie mit Gefahrstoffen arbeiten, wählen Sie die Handschuhe immer passend zum Stoff und zur Tätigkeit. Die entscheidenden Hinweise stehen im Sicherheitsdatenblatt des Gefahrstoffs – dort finden Sie auch empfohlenes Handschuhmaterial, Materialstärke und Durchbruchzeiten.
Wichtig ist, dass die Handschuhe gut passen und bequem sitzen – nur dann werden sie auch durchgängig getragen. Überprüfen Sie vor jedem Einsatz, ob es Risse oder Beschädigungen gibt. Wenn Sie die Handschuhe längere Zeit tragen, verhindern Unterziehhandschuhe aus Baumwolle, dass Ihre Haut durch den Schweiß aufweicht.
Hautschutzpläne der Berufsgenossenschaften als Grundlage
Viele Berufsgenossenschaften bieten Muster-Hautschutzpläne für unterschiedliche Branchen an. Darin sind bereits typische Hautbelastungen sowie geeignete Schutz-, Reinigungs- und Pflegemaßnahmen aufgeführt. Für Betriebe ist das eine wertvolle Orientierung, weil sie nicht bei null anfangen müssen.
Wichtig ist jedoch: Diese Musterpläne sind nur eine Grundlage. Jeder Betrieb muss sie an die eigenen Arbeitsplätze, eingesetzten Materialien und Tätigkeiten anpassen. So entsteht ein individueller Hautschutzplan, der den gesetzlichen Anforderungen entspricht und den Beschäftigten wirklich hilft.
Informationen und Muster zum Download
Hilfreiche Informationen und Muster von Hautschutzplänen können Sie auf der Webseite der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (www.bgbau.de) kostenfrei herunterladen.
Fazit: Ein Hautschutzplan sichert Ihre Gesundheit und Arbeitsfähigkeit
Hautprobleme gehören zu den häufigsten arbeitsbedingten Erkrankungen – gerade im Handwerk, wo Chemikalien, Staub und mechanische Belastungen zum Alltag gehören. Ein durchdachter Hautschutzplan ist deshalb weit mehr als eine Formalität: Er schützt Ihre Haut wirksam, erfüllt die gesetzlichen Vorgaben im Arbeitsschutz und sorgt dafür, dass Sie gesund und einsatzfähig bleiben.
Wer auf geeignete Schutzhandschuhe, milde Reinigungsmittel und regelmäßige Pflege setzt, reduziert nicht nur das Risiko von Berufskrankheiten, sondern stärkt auch die Produktivität im Betrieb. Hautschutz lohnt sich – für jeden einzelnen Handwerker und für das gesamte Unternehmen.