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Klebstoffarten: Welcher Klebstoff für welches Material?

Nichts ist ärgerlicher als wenn sich ein Kunde beschwert. Beispielsweise, weil das Dichtungsprofil im neuen Fenster nicht gehalten hat. Vielleicht lag’s am falschen Kleber? Nutzt man das passende Produkt, kann Klebstoff ein wahres Wundermittel sein: Er ist einfach und vielfältig anzuwenden, (ver)klebt fast alle Materialien und wird für Industrie, Handwerk, Haus und Hobby genutzt. Egal, ob Sie professioneller Handwerker oder Heimwerker sind: Wenn die geklebten Stücke dauerhaft halten sollen, sollten Sie wissen, welcher Klebstoff sich für welches Material eignet und auf hochwertige Produkte setzen.  

Welche Klebstoffarten es gibt, welcher Klebstoff am besten zu Ihrem Projekt passt und worauf Sie bei der Verwendung achten sollten, erfahren Sie in diesem Blogartikel – inklusive praktischer Tabelle, die Ihnen einen schnellen Überblick über die wichtigsten Klebstoffarten bietet.

 

Wie ist Klebstoff definiert?  

Klebstoff findet sich in jedem Privathaushalt, ist aber vor allem auch für Industrie und Handwerk unverzichtbar. Laut DIN-Norm EN 923 ist Klebstoff ein nichtmetallischer Werkstoff, der zwei Teile durch Oberflächenhaftung (Adhäsion) und innere Festigkeit (Kohäsion) verbinden kann, ohne dass sich das Gefüge wesentlich verändert. Übersetzt: Ein Klebstoff muss an den zu klebenden Teilen haften bleiben und in sich selbst kleben, damit Teil A und B nicht wieder auseinanderfallen. 

 

Welche Klebstoffarten gibt es?

Es gibt zwei große Gruppen von Klebstoffen: physikalisch abbindende und chemisch abbindende. Zur ersten Gruppe zählen Nassklebstoffe, Kontaktklebstoffe, Schmelz- und Haftklebstoffe, zur zweiten Gruppe Einkomponenten- und Zweikomponentenklebstoffe. Je nach Art und Nutzung, können Klebstoffe Hightech-Produkte sein, die zum Beispiel im Flugzeugbau, für elektronische Leiterplatten oder in der Medizin für künstlichen Gelenkersatz genutzt werden. 

Physikalisch abbindende Klebstoffe

Klebstoffe dieser Gruppe kleben direkt beim Auftragen, beispielsweise Klebestifte, Alleskleber, Heißkleber, aber auch Klebebänder, Heftpflaster und Etiketten. Je nach Klebstoffart müssen die Klebeteile mit Druck zusammengepresst werden und haften dauerhaft, sobald der Kleber getrocknet oder erstarrt ist. So vielfältig die Klebstoffe sind, so groß sind die Einsatzmöglichkeiten: Man kann sie beispielsweise zum Basteln nutzen, zerbrochene Gegenstände reparieren, Schuhe kleben, Fußböden verlegen, Holz verleimen, Waren auszeichnen oder Wunden damit schützen.

Chemisch abbindende Klebstoffe

Chemisch härtende Klebstoffe entwickeln erst in Verbindung mit einer weiteren Komponente ihre Klebkraft. Sie werden deshalb auch Reaktionsklebstoffe genannt. Einkomponentenklebstoffe funktionieren beispielsweise erst bei Luftfeuchtigkeit oder UV-Licht – aber dann sofort. Beispiele hierfür sind Sekundenkleber oder Klebstoffe, die in der Zahnmedizin eingesetzt werden. Zweikomponentenkleber, zu denen solch kompliziert klingende Kleber wie Methyl Methacrylat oder Polyurethan zählen, härten nach dem Mischen der Komponenten bei Raumtemperatur aus. Man nutzt sie beispielsweise, um Kunststoffe in der Autoindustrie oder Spanplatten im Holzgewerbe zu verkleben.

Profitipp: Es gibt Profi-Blitzkleber speziell für die Verwendung in Industrie und Handwerk, mit denen Sie unterschiedliche Werkstoffe und Materialien ohne Hitze, Druck und lange Aushärtezeiten zu hochfesten Verbindungen verkleben können – beispielsweise für Dichtungsprofile im Fensterbau und andere Kunststoffe.

 

Tipps und Tricks: Wie wenden Sie Klebstoffe richtig an?

Es gibt ein paar Grundregeln, die für alle Klebstoffarten gelten:

  1. Lesen Sie die Herstellerhinweise durch, bevor sie mit dem Kleben anfangen.
  2. Legen Sie ein paar ausrangierte Lappen bereit, mit denen Sie überschüssigen Kleber abwischen können.
  3. Tragen Sie zum Schutz Handschuhe. Waschen Sie Klebstoff sofort ab, falls er auf Ihre Haut kommt. Sekundenkleber lässt sich mit Öl von der Haut entfernen.
  4. Kleber haftet besser auf ebenen Flächen. Schleifen Sie die Flächen gegebenenfalls ab.
  5. Ein leicht angerauter Untergrund bietet eine bessere Haftung. Dazu können Sie ein Schmirgelpapier mit einer feinen Körnung verwenden.
  6. Kunststoffe können mit einem Primer vorbehandelt werden, damit der Klebstoff besser haftet.
  7. Achten Sie darauf, dass die Oberflächen, die sie kleben wollen, sauber, fettfrei und trocken sind.
  8. Klebstoffe müssen nur dünn aufgetragen werden. 0,1 bis 0,3 Millimeter reichen meist aus.
  9. Sekundenkleber muss nur auf eines der beiden Fügeteile aufgetragen werden. Bei Kontaktkleber ist es dagegen wichtig, den Kleber auf beide Flächen zu geben.
  10. Verwenden Sie einen Nasskleber, müssen die Fügeteile fixiert werden, bis der Klebestoff getrocknet ist. Dafür eignen sich Klemmen, Schraubzangen oder Klammern.
  11. Bei einem Kontaktkleber müssen Sie die Fügeteile mit starken Anpressdruck zusammenpressen, wodurch es zu einer Soforthaftung kommt.
  12. Erst wenn der Kleber vollkommen ausgehärtet ist, ist das Werkstück auch wirklich belastbar.

Profitipp: Achten Sie beim Kleben von Kunststoffen darauf, um welches Material es sich handelt. Bestehen die Teile aus Weichkunststoffen wie PE, PP oder PFTE müssen Sie einen speziellen Kunststoffkleber verwenden!

 

Wofür werden die verschiedenen Klebstoffarten verwendet?

Die folgende Tabelle bietet Ihnen einen Überblick über die bekanntesten Klebstoffarten und ihre Eigenschaften.

Klebstoff

Hinweise

Geeignet für

Alleskleber

 

  • Einfache Klebearbeiten, die nicht sehr stabil sein müssen
  • Klebekraft kann bei Hitze und Feuchtigkeit nachlassen

Papier, Pappe, Holz, Stoff, Metall, Keramik

Sekundenkleber

  • Haftet in Sekundenschnelle
  • Muss schnell und sorgfältig aufgetragen werden, da es sofort aushärtet
  • Gut für kleine Flächen geeignet, die nur geklebt werden können
  • Hitze und Feuchtigkeit beeinflusst die Klebekraft

Metall, Glas, Keramik, Holz, Pappe, Kunststoff

Klebestifte

 

  • Einfache Klebarbeiten, die nicht sehr stabil sein müssen
  • Klebekraft kann bei Hitze und Feuchtigkeit nachlassen

Papier, Pappe

Holzleim

 

  • Gibt es in unterschiedlich starker Klebeleistung
  • Fügeteile müssen mit starkem Druck verleimt werden

Holz

Zweikomponentenkleber

 

 

  • Besonders hohe Klebekraft
  • Fügeteile müssen während des Aushärtens fixiert werden
  • Kann anschließend bearbeitet werden

Materialmix

Sprühkleber

  • Haftet sehr stark
  • Hohe Belastbarkeit
  • Für große Flächen geeignet

Kunststoffe, Papier, Pappe, Textilien, Metall, Holz

Heißkleber

  • Langanhaltende und schnelle Klebekraft
  • Für poröse Oberflächen geeignet
  • Ist bis zu 200 Grad heiß: zu klebende Teile müssen temperaturbeständig sein

Glas, Kunststoff, Holz, Stoff

Montagekleber

  • Eignet sich zum Anbringen von Dingen an der Wand, ohne dafür bohren zu müssen
  • Muss circa 12 Stunden aushärten

Metall, Holz, Keramik, Aluminium

Kraftkleber

  • Kleber muss auf beiden Teilen, die verklebt werden sollen, aufgetragen werden
  • Kleber härtet schnell aus, Korrekturen sind dann nicht mehr möglich

Feste Materialen wie Keramik, harter Kunststoff, Glas

Reparaturkleber

  • Gibt es in Form von Klebestiften: der Klebstoff wird unter LED- oder UV-Licht hart
  • Klebeknete passt sich an die zu reparierende Form an und härtet dann aus

Holz, Keramik, Stein

Profitipp: Klebeeigenschaften können witterungsabhängig sein. Achten Sie deshalb auf die Produktbeschreibung. Nicht jeder Klebstoff ist für den Außenbereich geeignet.

 

Fazit

Kleber ist nicht gleich Kleber: Es gibt Universalkleber, die für fast jedes Material genutzt werden können, es gibt blitzschnell aushärtende Klebstoffe, wie Sekundenkleber oder Spezialkleber, die sich besonders gut für bestimmte Materialien eigenen. Achten Sie deshalb darauf, dass der Kleber zu Ihrem jeweiligen Projekt passt und Sie diesen fachgerecht auftragen, falls nötig lange genug aushärten lassen und mit geeigneten Hilfsmitteln wie Schraubzwingen oder ähnlichem fixieren. Hochwertige Kleber für den Profibereich erzielen besonders gute Ergebnisse. Denn Ihre geklebten oder reparierten Teile müssen vor allem eins: halten – und zwar dauerhaft!

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