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Klebstoffe und Dichtmittel richtig lagern: So vermeiden Sie Probleme auf der Baustelle

Kartuschen, die seit dem letzten Auftrag im Lager stehen, sehen von außen oft noch gut aus. Erst beim Verarbeiten zeigen sich Probleme: Dichtmittel sind durchgehärtet, Klebstoffe zu zäh zum Verarbeiten. Das kann Verzögerungen verursachen, die Qualität des Ergebnisses beeinträchtigen oder Nachbesserungen nötig machen. Mit der richtigen Lagerung lässt sich das vermeiden, denn Klebstoffe und Dichtmittel sollte man nicht einfach irgendwo abstellen. Sie reagieren auf Temperatur, Feuchtigkeit und Alterung. Wer nicht darauf achtet, riskiert Schäden, die teilweise erst Monate später auftreten.

Dieser Artikel zeigt, worauf es bei der richtigen Lagerung von Klebstoffen und Dichtmitteln ankommt – vom vollen Gebinde bis zur angebrochenen Kartusche.

 

Warum die Lagerung bei Klebstoffen und Dichtmitteln so wichtig ist

Klebstoffe und Dichtmittel sind chemische Produkte, die sich auch ungeöffnet mit der Zeit verändern: Bei Zwei-Komponenten-Klebstoffen wie Epoxidharzen kann eine falsche Lagerung dazu führen, dass Harz oder Härter kristallisieren und sich nicht mehr vollständig auflösen. Lösemittelhaltige Klebstoffe verlieren an Viskosität oder verdicken. Feuchtigkeitshärtende Dichtstoffe wie Silikon oder Polyurethan reagieren bereits auf kleinste Mengen Feuchtigkeit in der Luft. Von außen können Sie oft nicht erkennen, ob das Produkt noch brauchbar ist. Die Probleme zeigen sich erst in der Anwendung oder in der Nutzung – wenn die Abdichtung nicht hält oder die Verbindung keine Festigkeit aufbaut.

Im Betriebsalltag kann die richtige Lagerung schnell aus dem Blick geraten: Kartuschen werden nach dem Auftrag einfach irgendwo abgestellt oder liegen tagelang im Transporter. Meist denkt dabei niemand an die Lagertemperatur oder Mindesthaltbarkeit – bis eine Arbeit nachgebessert werden muss.

Diese Punkte sollten Sie bei der Lagerung beachten

Klebstoffe und Dichtmittel reagieren empfindlich auf ihre Umgebung – und das nicht erst nach dem Öffnen. Vor allem vier Faktoren entscheiden darüber, ob Ihre Produkte bis zur Verarbeitung die volle Qualität behalten: 

  • Temperatur
    Die meisten Kleb- und Dichtmittel sollten zwischen +5 und +25 °C gelagert werden, die genauen Angaben stehen auf der Verpackung oder im technischen Datenblatt. Zu kalt ist dabei fast genauso problematisch wie zu warm: Bei Frost können Dichtstoffe ihre Konsistenz dauerhaft verändern, bei dauerhafter Wärme beschleunigt sich die chemische Alterung. Besonders kritisch ist die längere Lagerung im Transportfahrzeug, wo im Sommer Temperaturen von 60 °C und mehr erreicht werden können. Bei lösemittelhaltigen Produkten dienen die Herstellerangaben der Sicherheit, da bei zu hohen Temperaturen die Brandgefahr steigt.

  • Feuchtigkeit
    Feuchtigkeitshärtende Produkte wie Silikone oder PU-Dichtstoffe reagieren empfindlich auf Luftfeuchtigkeit. Sobald die Verpackung nicht mehr dicht ist, kann das Produkt aushärten. Räume mit hoher Luftfeuchtigkeit oder starken Temperaturschwankungen, die Kondenswasser erzeugen, sind deshalb als Lager ungeeignet.

  • Licht
    UV-Strahlung beschleunigt die Alterung von Kleb- und Dichtstoffen in transparenten Behältnissen. Lagern Sie solche Produkte deshalb nicht in direktem Sonnenlicht.

  • Lagerposition
    Kartuschen sollten aufrecht gelagert werden, damit der Inhalt nicht zur Öffnung drückt und die Verschlusskappe abdichtet. Liegend gelagerte Kartuschen können an der Öffnung vorzeitig aushärten, besonders bei feuchtigkeitshärtenden Produkten.

Wenn Sie diese Faktoren im Blick behalten, funktionieren Ihre Produkte bei der Verarbeitung zuverlässig.

Wie werden angebrochene Gebinde richtig verschlossen?

Kleb- und Dichtstoffe werden in verschiedenen Gebinden verkauft – am häufigsten in Kartuschen oder Schlauchbeuteln, bei größeren Mengen auch in Großgebinden wie Eimern oder Hobbocks. Was sie gemeinsam haben: Sobald ein Gebinde geöffnet ist, wirkt sich jeder weitere Kontakt mit Luft oder Feuchtigkeit auf die Haltbarkeit aus.

Bei Kartuschen und Schlauchbeuteln bleibt an der Öffnung immer ein Rest, der bereits mit Luft oder Feuchtigkeit in Kontakt gekommen ist. Wird die Kartusche einfach mit Klebeband abgeklebt oder ein unpassender Verschluss in die Öffnung gesteckt, härtet dieser Rest aus und verstopft die Öffnung beim nächsten Einsatz. Zuverlässiger sind Verschlusskappen oder Stopfen, die als Zubehör für Kartuschen erhältlich sind und die Öffnung sauber abdichten.

Bei Eimern und Hobbocks bildet sich an der Oberfläche leicht eine Haut. Am besten legen Sie eine Folie direkt auf den Inhalt und verschließen den Originaldeckel fest – das hält Luft fern und verhindert die Hautbildung. Bei lösemittelhaltigen Produkten verzichten Sie besser darauf, denn aggressive Lösemittel können Kunststofffolien anlösen. Im Zweifel hilft ein Blick ins technische Datenblatt. Achten Sie darauf, dass kein Wasser oder Schmutz ins Gebinde gelangt.

Tipp
Beschriften Sie angebrochene Gebinde mit dem Öffnungsdatum. So behalten Sie den Überblick und vermeiden, dass Produkte länger gelagert werden als sinnvoll.

So schätzen Sie die Mindesthaltbarkeit richtig ein

Die meisten Kleb- und Dichtstoffe haben ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) auf der Verpackung. Ähnlich wie bei Lebensmitteln gibt es an, bis wann der Hersteller die volle Produktqualität garantiert. Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt nach diesem Datum unbrauchbar ist, die Qualität kann aber nachlassen.

Wie lange ein Produkt nach Ablauf des MHD noch verwendbar ist, lässt sich pauschal nicht sagen – das hängt vom Produkt, der Lagerung und dem Einsatzbereich ab. Bei sicherheitsrelevanten Abdichtungen sollten Sie im Zweifel kein Risiko eingehen. Ein Blick ins technische Datenblatt oder eine Rückfrage beim Hersteller verschaffen Klarheit. 

Unabhängig vom MHD gibt es Anzeichen, die darauf hinweisen, dass ein Produkt nicht mehr verwendbar ist: 

  • Konsistenz: Das Produkt ist ungewöhnlich zäh, klumpig oder hat sich entmischt.

  • Geruch: Ein veränderter oder ungewöhnlich starker Geruch kann auf chemische Veränderungen hinweisen.

  • Verfärbung: Starke Farbveränderungen gegenüber dem Originalzustand sind ein Warnsignal.

  • Aushärteverhalten: Das Produkt härtet deutlich langsamer aus als gewohnt oder härtet gar nicht aus

Im Lageralltag hilft das FIFO-Prinzip: First In, First Out – was zuerst ins Lager kommt, kommt zuerst raus. So stellen Sie sicher, dass ältere Bestände zuerst verbraucht werden und nichts unbemerkt über sein MHD hinaus lagert. Kontrollieren Sie Ihre Lagerbestände regelmäßig und sortieren Sie Produkte, deren MHD deutlich überschritten ist, konsequent aus – auch wenn sie äußerlich noch gut aussehen.

Fazit: Klebstoffe und Dichtmittel richtig lagern zahlt sich aus

Ob Kleb- und Dichtstoffe bei der Verarbeitung zuverlässig funktionieren, hängt nicht nur vom Produkt ab, sondern auch davon, wie es bis dahin gelagert wurde. Temperatur, Feuchtigkeit, Licht und Lagerposition spielen dabei eine Rolle – genauso wie der richtige Umgang mit angebrochenen Gebinden und das Beachten des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Im Betriebsalltag gerät das schnell aus dem Blick. Dabei sind es oft einfache Maßnahmen, die den Unterschied machen: Wenn Sie Kartuschen aufrecht lagern, Öffnungen sauber verschließen, das Öffnungsdatum notieren und ältere Bestände zuerst verbrauchen, vermeiden Sie Probleme, die sich erst Wochen oder Monate später zeigen – wenn die Abdichtung nicht hält oder der Kunde reklamiert.

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